Das Wichtigste der Woche
27. Juli bis 31. Juli 2026
Hauptstadtkulturfonds fördert 50 Projekte mit rund 4,5 Millionen Euro ++ BKM fördert Kampnagel-Umbau mit € 60 Millionen ++ Choreografin und Performancekünstlerin Simone Forti gestorben ++ Förderpreis für Annika Neugart ++ Schauspieler Johannes Krisch gestorben ++ Michel Friedman spricht bei Festspielen über Antisemitismus Richard Wagners ++ Katalonien im Fokus beim 12. Berlin Circus Festival ++ 650 denkmalgeschützte Theaterstühle bleiben verschwunden ++ Musiktheater restauriert Yves-Klein-Wandreliefs
Assoziationen: Berlin Hamburg Bayern Österreich Nordrhein-Westfalen Niedersachsen Claus Peymann Markus Blume Jan-Christoph Gockel Michel Friedman Hermann Parzinger Yoko Ono Richard Wagner Kampnagel Münchner Kammerspiele Theater in der Josefstadt Musiktheater im Revier

Berlin: Hauptstadtkulturfonds fördert 50 Projekte mit rund 4,5 Millionen Euro
Der Gemeinsame Ausschuss für den Hauptstadtkulturfonds hat am 21. Juli 2026 über die zum 15. April 2026 eingereichten Anträge zur Förderrunde I/2027 entschieden, wie das Amt mitteilt. Insgesamt wurden 50 Projekte mit rund € 4,5 Millionen zur Förderung ausgewählt. Den Ausschuss leiten die Staatssekretärin für Kultur, Cerstin Richter-Kotowski, und der Leitende Beamte des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Konrad Schmidt-Werthern.
Unter der Leitung des Kurators Hermann Parzinger hatte die Jury des Hauptstadtkulturfonds vom 16. bis 19. Juni 2026 über die Anträge beraten. Es lagen 286 Anträge mit einem Antragsvolumen von insgesamt rund € 21,6 Millionen vor. Für die regelgeförderten Festivals Internationales Literaturfestival Berlin, Tanz im August, Poesiefestival Berlin und Young Euro Classic hat der Ausschuss für 2028 eine Fördervorsorge in Höhe der bisherigen Regelförderung getroffen. Der Abgabetermin für das nächste Bewerbungsverfahren II/2027 ist voraussichtlich der 1. Oktober 2026.
Hamburg: BKM fördert Kampnagel-Umbau mit € 60 Millionen
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat im Rahmen der Kulturbauten-Initiative die Förderung der Erweiterung und Sanierung des Internationalen Produktionshauses Kampnagel mit bis zu € 60 Millionen zugesagt, wie das Bundesministerium für Kultur und Medien mitteilt. Gemeinsam mit dem Pariser Architekturbüro Lacaton & Vassal, das 1987 von Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal gegründet wurde und 2022 nach europaweiter Ausschreibung den Zuschlag erhielt, sollen die ehemaligen Maschinenfabrikhallen in Hamburg-Winterhude modernisiert und erweitert werden. Der Wärmeverbrauch des Hauses soll dadurch um 70 Prozent sinken. Der offizielle Spatenstich ist für den 30. Oktober geplant, die Baumaßnahmen sollen bei laufendem Spielbetrieb als künstlerisch begleitete „performative Baustelle“ umgesetzt werden. Die Gesamtkosten von rund € 168 Millionen tragen der Bund und die Freie und Hansestadt Hamburg gemeinsam.
Awet Tesfaiesus, kulturpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, begrüßt die Förderung, kritisiert jedoch, dass der Bund die Förderung des Bündnisses der Internationalen Produktionshäuser nach zehn Jahren eingestellt habe, und fordert deren Wiederaufnahme ab 2027.
Venedig: Choreografin und Performancekünstlerin Simone Forti gestorben
Die US-amerikanische Choreografin und Performancekünstlerin Simone Forti ist tot, wie die Biennale di Venezia mitteilte. Forti, die als Wegbereiterin des amerikanischen Postmodern Dance und der Performancekunst galt, erhielt 2023 den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk im Rahmen der 17. Ausgabe des Festivals Biennale Danza. Die Jury unter der Leitung von Wayne McGregor würdigte damals ihr Werk aus Performance, Zeichnung, Film, Video, Fotografie, Installation und Texten als „außergewöhnlich in seiner Bandbreite und einzigartig in seiner Vision“.
Forti war über Jahrzehnte mit der Biennale verbunden: 1980 nahm sie an der 39. Kunstbiennale in der Sektion „Art in the 1970s“ teil, die sich der Performancekunst widmete. 2018 zeigte die Tanzbiennale ihren Film „An Evening of Dance Construction“ aus dem Jahr 2009, der ihre 1961 im Studio von Yoko Ono entstandenen und 2004 am Museum of Contemporary Art in Los Angeles rekonstruierten Tanzstücke dokumentiert.
München: Förderpreis für Annika Neugart
Die Schauspielerin Annika Neugart hat den Förderpreis des „Vereins zur Förderung der Münchner Kammerspiele e. V.“ erhalten, wie die Münchner Kammerspiele mitteilen. Der mit € 5000 dotierte Preis wird jährlich an ein junges Mitglied des Ensembles vergeben und wurde nun zum zwanzigsten Mal verliehen.
In seiner Laudatio würdigte Regisseur Jan-Christoph Gockel sowohl Neugarts handwerkliches Können als auch ihre künstlerische Energie. Neugart, Jahrgang 2001, begann 2020 ihr Schauspielstudium an der Otto Falckenberg Schule. Seit der Spielzeit 24/25 ist sie festes Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele und derzeit in den Produktionen „Eurydike und Orpheus“, „Play Auerbach!“ und „Wallenstein“ zu sehen.
Der Förderpreis wurde 2005 erstmals vergeben, damals an Katharina Schubert. Zuletzt erhielt Elias Krischke die Auszeichnung.
Wien: Schauspieler Johannes Krisch gestorben
Der Schauspieler Johannes Krisch ist gestorben, wie der Standard berichtet und nachtkritik.de meldet. Krisch wurde 59 Jahre alt. Er war 20 Jahre lang bis 2019 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters und danach am Theater in der Josefstadt engagiert.
Der 1966 geborene Krisch absolvierte zunächst eine Tischlerlehre im damaligen Ensembletheater am Wiener Petersplatz und kam über diesen Weg zur Schauspielerei. Claus Peymann holte ihn 1989 ans Wiener Burgtheater, wo er 2017 den Berufstitel des Kammerschauspielers verliehen bekam. Auch am Theater in der Josefstadt war er erfolgreich und erhielt zuletzt 2021 eine Nominierung für den Nestroy-Preis in „Der Bockerer“. Er spielte zudem in zahlreichen Kinofilmen und TV-Serien mit, wurde vielfach ausgezeichnet, war Musiker und von 2021 bis 2023 künstlerischer Leiter der Raimundspiele.
Bayreuth: Michel Friedman spricht bei Festspielen über Antisemitismus Richard Wagners
Der Publizist Michel Friedman hat im Bayreuther Festspielhaus eine vielbeachtete Rede über den Antisemitismus von Richard Wagner und die Aufarbeitung der Festspielgeschichte gehalten. Friedman sprach von einer „Verdrängung“ der zwiespältigen Vergangenheit und erinnerte daran, dass bei der Wiedergründung der Festspiele 1951 politische Diskussionen seitens der Familie Wagner unerwünscht gewesen seien. Um seine Teilnahme hatte es zuvor Wirbel gegeben: Friedman war zunächst eingeladen, dann ausgeladen und schließlich wieder eingeladen worden.
Bundeskulturstaatsminister Wolfram Weimer nannte die Rede laut BR24 „wichtig und groß“, hielt den Begriff einer „neuen Ära“ jedoch für übertrieben. Bayerns Kunstminister Markus Blume bezeichnete sie als „intellektuell brillant“ und als Mahnruf zur Verteidigung der Demokratie.
Berlin: Katalonien im Fokus beim 12. Berlin Circus Festival
Das Berlin Circus Festival setzt in diesem Jahr einen besonderen Schwerpunkt auf Katalonien, wie die Veranstalter:innen mitteilen. Vom 5. bis 16. August 2026 sind auf dem Tempelhofer Feld vier Produktionen katalanischer Künstler:innen zu sehen: „Clam“ von Fèmut (9. bis 11. August), „Tenet“ von Eunoia Kolektiva (11. bis 13. August) sowie „Pifia“ von Totapedra und „Ákri“ von Manel Rosés (beide ab 14. August). Der Fokus entsteht in Zusammenarbeit mit dem Institut Ramon Llull und dem katalanischen Zirkusverband APCC (Associació de Professionals de Circ de Catalunya) und ist Teil der Initiative MERIDIAN(s) Catalonia–Germany, die den künstlerischen Austausch zwischen der katalanischen und der deutschen Zirkusszene stärken soll.
Insgesamt zeigt das 12. Berlin Circus Festival zwanzig Produktionen mit 53 Shows aus dreizehn Ländern in vier Zelten und auf einer Open-Air-Bühne. Ergänzt wird das Programm durch Artist Talks und Archivformate, die Einblicke in die katalanische Zirkusszene geben.
Bocholt: 650 denkmalgeschützte Theaterstühle bleiben verschwunden
Rund 650 denkmalgeschützte Polsterstühle aus dem Bocholter Stadttheater bleiben verschwunden, wie der WDR berichtet. Die zuständige Staatsanwaltschaft Hildesheim habe demnach wenig Hoffnung, dass die Sitzmöbel wieder auftauchen. Gesucht werde deutschlandweit nach dem Geschäftsführer der beauftragten Polsterfirma aus Niedersachsen, der samt der Stühle verschwunden sei. Bis dieser gefunden sei, ruhten die Ermittlungen; das Vergehen selbst wäre laut Staatsanwaltschaft in fünf Jahren verjährt.
Die Stadt hatte die Stühle vor der Sanierung des Theaters zum Aufpolstern in Auftrag gegeben. Da Mahnungen und Fristsetzungen nichts brachten, habe die Stadt Strafanzeige gestellt. Nun müsse für das sanierte Theater ein Ersatz gefunden werden, der dem Denkmalschutz genügt. Die Wählergemeinschaft Soziale Liste Bocholt kritisierte zugleich die gestiegenen Sanierungskosten für Theater und Rathaus und forderte eine unabhängige Kommission zur Aufklärung.
Gelsenkirchen: Musiktheater restauriert Yves-Klein-Wandreliefs
Das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen lässt seine sechs Wandreliefs von Yves Klein restaurieren, wie der WDR berichtet. Die Werke im Yves-Klein-typischen Blau gelten als einzigartig, da der Künstler hier Ende der 1950er Jahre erstmals Schwämme als Gestaltungsmittel einsetzte. Diese sorgen für eine markante, aber auch schwer zu reinigende Struktur, da Material und Farbe äußerst fragil sind.
Yves Klein entwarf die Werke 1957 speziell für den Theaterneubau in Gelsenkirchen, als er selbst noch fast unbekannt war. Da seine eigene blaue Farbe zu leicht entzündlich war, wurde für das Theater ein spezielles „Gelsenkirchener Blau“ entwickelt.
Redaktionsschluss: 17:15 Uhr
Erschienen am 31.7.2026


















