Theater der Zeit

Nachruf

Mit wachem Blick, junge Menschen im Theater ernst nehmen

Nachruf auf Bob Ziegenbalg

von Wolfgang Schneider

Assoziationen: Saarland Kinder- & Jugendtheater Bob Ziegenbalg Überzwerg - Theater am Kästnerplatz

Bob Ziegenbalg (* 1955 in Unterfranken; † 23. September 2026) war ein deutscher Theaterschauspieler und Theaterregisseur. Er war jahrzehntelang künstlerischer Leiter am Theater Überzwerg in Saarbrücken.
Bob Ziegenbalg (* 1955 in Unterfranken; † 23. September 2026) war ein deutscher Theaterschauspieler und Theaterregisseur. Er war jahrzehntelang künstlerischer Leiter am Theater Überzwerg in Saarbrücken.Foto: Lilli Breininger

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Er war eine „prägende Figur der saarländischen Theaterszene“, heißt es im Saarländischen Rundfunk, „große Visionen, stetiges Schaffen, ohne Allüren um die eigene Person zu machen – so werden sich viele Weggefährten an ihn erinnern“, schreibt die Saarbrücker Zeitung, und das „Überzwerg“-Theater attestiert ihrem langjährigen Leiter „stets einen wachen Blick auf die Veränderungen im Leben von Kindern und Jugendlichen“. Am 23. September starb unerwartet Bob Ziegenbalg im Alter von 70 Jahren. Von 1990 bis 2021 kümmerte er sich um das künstlerische und kulturpolitische Profil des größten Kinder- und Jugendtheaters im äußersten Südwesten Deutschlands.

„Überzwerg“ wurde 1978 als freie Theatergruppe unter anderem von Alice Hoffmann, die später in der Rolle der Hilde durch die ARD-Comedyserie „Familie Heinz Becker“ bundesweit bekannt wurde, und dem späteren „Tatort“-Kommissar Jochen Senf gegründet. 1986 erhielt Bob Ziegenbalg einen ersten Stückvertrag und spielte den Paul in „Was heißt hier Liebe?“, einem Klassiker des emanzipatorischen Jugendtheaters. Zusammen mit Geschäftsführer Detlef Kraemer war er es auch, der aus dem Kollektiv zunächst mit sogenannten ABM-Stellen, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Arbeitsamtes, das Theater institutionalisierte, das in den Werkstätten des ehemaligen Saarländischen Landestheaters im Saarbrücker Stadtteil St. Arnual eine Heimstatt fand..

Bob Ziegenbalg kam aus Unterfranken, machte eine kaufmännische Lehre und die Ausbildung zum Diakon, der sich zur Aufgabe macht, „um die Armen, Bedürftigen und Kranken zu sorgen“, wie es in dem Buch „Wie wichtig geeignete Diener für die Gemeinde sind“ der Evangelischen Kirche nachzulesen ist. Kein Wunder, wenn in den Aufbaujahren eines Theaters für junges Publikum in der alten Bundesrepublik auch Sozialarbeit und Kulturpädagogik eine Rolle spielten. Seit Anbeginn seiner Regietätigkeit gab es Patenschaftsklassen, die die Probenarbeit zu den Inszenierungen begleiteten. Ein Jugendclub wurde ins Leben gerufen, mit dem das Theaterpädagogische Zentrum kooperiert. Noch heute spielen rund 50 junge Menschen von zehn bis 19 im „Überzwerg“-Theater.

2009 wurde das Theatergebäude umfassend saniert, „die ohne Bob Ziegenbalgs unermüdlichen Einsatz nicht denkbar gewesen wäre“, sagt der heutige Geschäftsführer Christoph Dewes. Er weiß auch vom modernen Repertoire zu berichten, das insbesondere europäische Kinder- und Jugenddramen pflegte: „Das besondere Leben der Hilletje Jans“ aus den Niederlanden, „Bobs Lieblingsstück“, „Das fünfte Gebot“ aus Dänemark, „Jeda, der Schneemann“ aus der Schweiz. Mehr als 300 Vorstellungen der Weihnachtsgeschichte um „Ox und Esel“ hat Bob Ziegenbalg zusammen mit Detlef Kraemer gespielt. Mit einer zweisprachigen Version von „Es waren zwei Königskinder“ des Münchner Autors Wilfrid Grote gastierte das Theater auf Einladung des Goethe-Instituts in Frankreich.

Das Ensemble war bei zahlreichen Festivals zu Gast, bei „KUSS“ in Marburg, „Spleen“ in Graz, im belgischen St. Vith und in Südtirol, bei den Mülheimer Theatertagen und bei den Korczak-Festspielen in Warschau. Mit „Überzwerg“ gründete Bob Ziegenbalg ein Festival in Saarlouis und Ottweiler sowie „Spielstark“ in Saarbrücken, das im nächsten Jahr sein 25. Jubiläum feiert. „In all den Jahren haben wir uns immer wieder bemüht, für Kinder und Jugendliche gut recherchiertes, spannendes und lustvolles Theater zu machen“, schreibt er in der Chronik von „Überzwerg“. Die Kulturministerin des Saarlandes, Christine Streichert-Clivot, ehrt Bob Ziegenbalg mit den Worten: „Generationen von Kindern und Jugendlichen sind mit seiner Arbeit groß geworden. Für sie war das Theater, an dem sie ernst genommen wurden, sich ausprobieren und ihre eigene Stimme finden konnten.“

Erschienen am 30.9.2026

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