Bericht
TdZ+Die Kunst der Widersetzlichkeit
Das Internationale Figurentheater-Festival Blickwechsel 2026 in Magdeburg
von Anke Meyer
Assoziationen: Puppen-, Figuren- & Objekttheater Sachsen-Anhalt Dossier: Festivals Puppentheater Magdeburg Puppentheater Halle
Erschienen am 16.6.2026

„[…] Kunstfreiheit ist kein Luxusartikel für ruhige Zeiten. Sie ist ein Grundnahrungsmittel der Demokratie. […] Eine Kulturpolitik, die Kunst nach Herkunft, Nützlichkeit oder nationaler Brauchbarkeit sortieren will, schützt keine Kultur. Sie beschädigt sie. Sie macht die Kunst nicht größer. Sie macht unsere Welt kleiner.“
Diese Sätze aus der Begrüßungsrede von Sabine Schramm, Intendantin des Puppentheaters Magdeburg, zum Auftakt des Internationalen Figurentheater-Festivals Blickwechsel sind leider nicht als Selbstverständlichkeit oder offensichtlicher gesellschaftlicher Konsens abzutun. Diese Art kulturpolitischer Positionierung ist noch nie notwendiger gewesen als jetzt, angesichts der Bedrohung von Kunstfreiheit durch die Anmaßung einer als rechtsextremistisch eingestuften Partei, die in Sachsen-Anhalt aktuell Mehrheiten für die anstehende Landtagswahl organisiert und bereits ein „Regierungsprogramm“ veröffentlicht hat. Kulturpolitisch plant die AfD eine „patriotische Wende“, ausdrücklich orientiert am Modell des nun abgewählten Viktor Orbán in Ungarn.
Dieser kulturpolitische Kontext, dieses Bedrohungsszenario bleibt während des Magdeburger Festivals, das nach vier Jahren Pause und der Verabschiedung des langjährigen künstlerischen Leiters Frank Bernhardt von einem Dreierteam – Anja Michaelis, Sophie Neu und Miriam Locker – verantwortet wird, immer präsent. Das Programm mit seinen ästhetisch wie thematisch diversen, deutschen wie internationalen Theaterproduktionen und studentischen Projekten ist vielfältig, es gibt Raum für Debatten z. B. über autonome Puppen oder über fluide...
Erschienen am 16.6.2026



















