Essay
TdZ+Theater der Verantwortung
Ein Leipziger Theaterprojekt lässt wohnungslose Menschen ihre Geschichte erzählen – wer profitiert wirklich davon?
von Sophie Meub und Graciela Peralta
Assoziationen: Debatte Sachsen Doris Uhlich Schauspiel Leipzig
Erschienen am 12.8.2026

Eine weiße Plastikplane bedeckt einen Körper wie ein trüber Schleier. Langsam richtet sich die Gestalt auf, zieht die Plane von sich herunter und blickt zum ersten Mal ins Publikum. Viele der Zuschauer:innen sind ihm vermutlich schon begegnet. Markus lebt ohne festen Wohnsitz. Nun steht er für einen Abend auf der Bühne der Leipziger Residenz, und das Publikum erlebt ihn anders.
Gemeinsam mit drei weiteren Menschen zeigt er eine Performance über Wohnungslosigkeit. Entstanden ist sie in einem Workshop der österreichischen Choreografin Doris Uhlich. Gesprochen wird wenig. Stattdessen entstehen Bilder: Körper suchen Schutz, bauen Behausungen, verlieren sie wieder.
Theater arbeiten seit einigen Jahren verstärkt mit Menschen, deren Lebensrealitäten auf den Bühnen lange kaum vorkamen. Solche Projekte versprechen Authentizität und neue Perspektiven, werfen aber auch Fragen auf. Was geschieht, wenn reale Not Teil einer künstlerischen Arbeit wird? Wer bestimmt, wie sie erzählt wird? Und kann eine Zusammenarbeit zwischen einer Choreografin und Menschen am Rande der Gesellschaft tatsächlich auf Augenhöhe stattfinden?
Auf der Suche nach Antworten treffen wir die Beteiligten in der Oase, einem Leipziger Tageszentrum für wohnungslose Menschen. Zwischen Kaffee, Beratungsgesprächen und gemeinsamem Mittagessen sprechen sie über die Probenwoche. Von den vier Teilnehmenden haben Sanne und Sina inzwischen wieder eine Wohnung. Markus und...
Erschienen am 12.8.2026



















