Bericht
TdZ+Zirkus auf dem Weg zum Gesamtkunstwerk
Das elfte Atoll-Festival im Karlsruher Kulturzentrum zeigte die Vielfalt der internationalen Zirkusszene
von Elisabeth Maier
Assoziationen: Zirkus Baden-Württemberg Dossier: Festivals
Erschienen am 2.10.2026

Unter Müllbergen am Bühnenrand sind die Menschen kaum zu erkennen. „People“ nennt der in Brüssel lebende italienische Choreograf und Musiker Claudio Stellato sein Gesamtkunstwerk. Als die ungewöhnliche Trash-Show beginnt, ist die eigentliche Bühne weiß und leer. An den Ecken türmt sich Müll. Dann schlurfen die Ausgestoßenen mit ihren Einkaufswagen ins Blickfeld. Aus verbogenen Metallstühlen und zerrissenen Koffern bauen sie sich eine Welt, die so etwas wie ein letztes Stück Würde bietet. Mit ihrer verrückten Performance polarisierten Stellato und sein Ensemble beim elften ATOLL-Zirkusfestival im Karlsruher Kulturzentrum Tollhaus.
Zugleich steht der Gesamtkünstler, der Performance, Jazzmusik und Tanz spielerisch leicht verbindet, für die ästhetische Qualität der Zirkuskunst. Aus dem durchgeknallten Spiel mit dem Zivilisationsmüll entwickeln die Tänzer:innen eine Choreografie, die das Publikum berührt. Brutal konfrontieren sich die Gestalten, die wohl unter Brücken oder in Bahnhofshallen leben: durch unvermittelt ausbrechende Gewalthandlungen aus scheinbar zufälligen Bewegungen heraus. Dann überschütten sich die Akteur:innen mit schwarzer Farbe.
Die radikale Konsequenz, mit der sie sich selbst ins Elend katapultieren, verstört. Dennoch tanzen sie am Ende in die Freiheit. Stellatos Ästhetik ist kompromisslos. Er zeigt Menschen am Abgrund, peitscht sie in gnadenlose Konflikte hinein. Sie kämpfen ums Überleben, scheitern aber an der einfachsten sozialen Interaktion. Die drei Performer:innen...
Erschienen am 2.10.2026

















